Frauen in der Politik

Was vor etlichen hundert Jahren an der Tagesordnung stand, ist auch noch heute zu erkennen: Frauen sind in der Politik deutlich unterrepräsentiert und kleiden auch in vielen anderen Arbeitsbereichen durchschnittlich weitaus niedrigere Ränge als die Männer. Das liegt zum Teil daran, dass Politikern von der Gesellschaft oftmals Eigenschaften zugeschrieben werden, die so typisch maskuline Eigenschaften sind (zum Beispiel Durchsetzungsfähigkeit, Autonomie, Karrierestreben etc.). Frauen sind in den Augen vieler daher keine guten Politikerinnen, denn sie besitzen keine vorteilhaften Verhaltensweisen. Außerdem war die Politik lange Zeit, vor allem in Krisenzeiten, eine Männerdomäne, in der sich Gleichgesinnte einander messen mussten. Frauen kleideten lediglich Hilfsränge und arbeiteten beispielsweise als Sekretärinnen.

Mittlerweile hat sich die Situation der Frauen in der Politik gebessert, wodurch viele hohe Ränge von Politikerinnen besetzt werden.

In der gesamten Europäischen Union machen zirka 24 Prozent aller Parlaments-Abgeordneten Frauen aus, Österreich nimmt mit 32 Prozent Platz sieben ein (in Schweden wird vergleichsweise fast jedes zweite Amt von einer Frau bekleidet, in der Türkei gibt es kaum bekannte Politikerinnen in der Politik). Die Forderung nach mehr Frauen in der Politik ist groß und einige Parteien haben sogar Frauenquoten eingeführt, um Ämter geschlechtsheterogener zu besetzen.

Im Jahre 1919 schafften es erstmals Frauen in das Abgeordnetenhaus des Nationalrats, jedoch gab es jahrzehntelang nie mehr als 5 Prozent Frauen in der Politik. Erst Mitte der 80er Jahre wurde die 10 Prozent-Marke erreicht, was vor allem mit der Gründung des Staatssekretariats für allgemeine Frauenfragen im Jahre 1979 zu tun hatte. 1990 wurde dieses Staatssekretariat in das Bundesministerium für Frauenangelegenheiten umbenannt – der Beginn einer Frauenpolitik in Europa. Zudem gab es vermehrt Frauenbewegungen, die immer wieder Rechte von Frauen in der Politik einforderten.

Die SPÖ führte im Jahr 1985 erstmals eine 25 Prozent-Frauenquote ein, acht Jahre später erhöhte die Partei diese Quote sogar auf 40 Prozent. Auch die ÖVP nahm im Jahr 1995 eine Frauenmindestquote von einem Drittel in ihrem Grundsatzprogramm auf. Die Grünen sprechen sich für 50 Prozent Frauen in der Politik aus, wobei hier noch großer Handlungsbedarf besteht. Viele andere Parteien sind gegen Quotierregelungen.

Die Österreicherin Heide Schmidt wurde als erste Frau im Jahr 1986 ins Amt der Generalsekretärin eingeführt und gründete im Jahr 1993 erfolgreich das Liberale Forum Österreichs (LIF). Keinem männlichen Abgeordneten des LIF wurde solch eine Medienpräsenz und internationale Bekanntheit zuteil, wie Heide Schmidt. Im Jahr 2006 wurde Barbara Prammer (SPÖ) als erste Frau zur Nationalratspräsidentin benannt. In Österreich kleiden also viele Frauen mittlerweile hohe politische Ämter, dennoch sind Frauen in der Politik weiter unterrepräsentiert.