Das Liberale Forum (LIF)
Das Liberale Forum, kurz: LIF, ist eine liberale Partei in Österreich, die im Jahre 1993 entstanden ist. Fünf Abgeordnete der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ), darunter Heide Schmidt, distanzierten sich damals aufgrund von Meinungsverschiedenheiten und Interessenkonflikten vom ehemaligen Parteivorsitzenden Jörg Haider und gründeten ihre eigene Fraktion, die im ersten Jahr überraschenderweise viele Wählerstimmen erhielt und große Erfolge verbuchte. Das Liberale Forum erlangte nicht zuletzt durch die Abgeordnete Heide Schmidt eine enorme Medienpräsenz und Bekanntheit, weshalb sie auch oftmals als “Ein-Frau-Partei” belächelt und kritisiert wird.
Jörg Haider war in der Zeit von 1986 bis 2000 Parteivorsitzender der Freiheitlichen Partei Österreichs. Während seiner gesamten Amtszeit wurde er immer wieder als “Rechtspopulist”, als fremdenfeindlich und rassistisch bezeichnet, was vermehrt zu Missstimmungen und Kritiken innerhalb der eigenen Partei führte. Die Abgeordnete Heide Schmidt zog daraus Konsequenzen und gründete mit weiteren Abgeordneten das Liberale Forum mit dem Ziel wieder eine klassische liberale Partei in Österreich präsentieren zu können. Bei den niederösterreichischen Landtagswahlen 1993 konnte sich das Liberale Forum mit 5,12% einen Platz im Landtag sichern, was in diesem Jahr eine echte Überraschung war. In den darauffolgenden Jahren verlor das LIF jedoch an Popularität und schaffte es auch nicht, politisch Interessierte zu gewinnen.
Seit 1999 ist das Liberale Forum nicht mehr als Fraktion im Parlament vertreten. 2002 kandidierte es erneut, scheiterte aber mit kläglichen 1%.
Die Organisation des Liberalen Forums verläuft nach zwei Prinzipien, nämlich territorial und themenorientiert. Es ist keine Organisation auf Bezirksebene, sondern eine themenorientierte Gliederung auf Landesebene. Die höchste Instanz des LIF ist das Bundesforum mit 183 Mitgliedern aus Landesforen und Bundesberaterkonferenz. Das Bundesforum wählt den Bundessprecher und legt die Richtlinien fest, die von der zweithöchsten Instanz, dem Bundespräsidium, umgesetzt werden. Dieser setzt sich übrigens aus acht Mitgliedern zusammen und ist zusätzlich für die Wahl des Bundesgeschäftsführers und der Kandidaten aus Bundesebene verantwortlich.
Ziel des Liberalen Forums ist natürlich die Schaffung vernünftiger Gesetze, um den Menschen ein hohes Maß an Freiheit und Würde zu schaffen. Man strebt eine Trennung von Staat und Kirche an, setzt sich für die Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen ein, spricht sich für die Sterbehilfe aus, möchte eine Liberalisierung der Drogenpolitik erreichen und zum Beispiel Abtreibungsbestimmungen lockern.
Das Liberale Forum steht weit hinter den Parteien SPÖ, ÖVP und FPÖ und hat es aufgrund des sehr niedrigen Bekanntheitsgrads der Politiker und Politikerinnen (abgesehen von Heide Schmidt) nicht leicht, sich Gehör zu verschaffen. Oftmals wird das LIF nur gewählt, um gegen die Prinzipien der FPÖ zu protestieren, nicht aber, weil die politischen Grundsätze bei den Wählern so von Bedeutung sind.
2008 versuchte Heide Schmidt erneut bei den Nationalratswahlen als Spitzenkandidatin des LIF anzutreten, ist aber gescheitert. Von da an zog sie sich aus dem LIF und allgemein der Politik zurück.